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Der gute MenschNach einem Pädagogen |
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EinleitungDiese Ausführung ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine rein persönliche Stellungnahme. Sie ist ein Definitionsversuch aus Sicht eines Menschen der versucht, gut zu sein. So basiert die Ausführung weitgehend auf eigenen Erfahrungen und Überlegungen. 1. Problem: Wer sagt mir, was gut ist?Was macht einen guten Menschen aus, oder welche Eigenschaften muss ein Mensch haben, um ein guter Mensch zu sein? So interessant diese Frage ist, so unbeantwortbar muss sie für jeden Menschen bleiben. Wir können allenfalls kleine Mosaiksteinchen finden und versuchen, daraus ein möglichst vollständiges Bild eines guten Menschen zusammenzusetzen. Und selbst dies ist mit unserem beschränkten menschlichen Wissen und Gewissen ein gefährliches Unterfangen, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat und zeigt, wenn "Gutsein" auf einzelne Aspekte verengt wurde:
Vielfach wird dabei "gut" mit "bequem" verwechselt und das auch nur aus der Sicht weniger Funktionäre. Welche Kriterien eignen sich denn überhaupt, um zu definieren, wer gut ist? Oder anders gefragt: Auf welche Instanzen kann ich mich berufen, wenn ich gut sein will? Und wer definiert, was gut ist? Kann und darf ich mich bei der Suche nach dem Guten auf meine Mitmenschen verlassen oder lieber nur auf mich selbst? Kann mir der säkulare Staat dabei weiterhelfen oder doch lieber irgendeine Religionsgemeinschaft? Das Dilemma liegt wohl darin, dass mir keiner wirklich sagen kann, was gut ist. Was der eine als gut ansieht, ist für den anderen schlecht, wie es folgende Volksweisheit treffend beschreibt: "Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann." Bei der Suche nach dem Guten bin ich also ganz alleine auf mein Gewissen angewiesen, das durch die Fülle der Einflüsse von Religion, Staat und Mitmenschen beeinflusst wird und daraus das ihm richtig Erscheinende herausfiltern muss. Dabei steht im christlichen Abendland mit Sicherheit der Einfluss der christlichen Religion (direkt oder indirekt) im Vordergrund. 2. Problem: Was ist gut? Und wann bin ich gut?Der gute Mensch horcht auf sein GewissenUm einer möglichen Antwort näher zu kommen, werde ich zunächst eine Begebenheit erzählen, die ich bei einem Israelaufenthalt so mitbekommen habe: Spät in der Nacht, kurz bevor der Telefondienst für
den Volontär zuende war, klingelte es an der Pforte. Der Volontär
ließ vier jungen Leute ein, die sich auf dem Weg von Safed nach Jerusalem
verspätet hatten und nun auf der Suche nach einem Nachtlager waren. Da
setzte für den Volontär der Konflikt ein. Er wusste nur zu genau,
dass er nach der Tagesabrechnung um 22.00 Uhr kein Zimmer mehr vergeben durfte.
Aber er wusste genauso gut, dass er die vier Jugendlichen nicht auf den nächtlichen
Straße Jerusalems stehen lassen konnte. Kurzerhand entschloss er sich,
sie mit ihren Schlafsäcken in den Empfangsraum zu legen. Für eventuell
weitere Nächte könnten sie sich ja am nächsten Morgen anmelden
und ein Zimmer bekommen. Damit war für ihn das Ereignis zunächst erledigt. Hat der Volontär in dieser Situation nun gut gehandelt oder nicht? Aus
Sicht der Leiterin ist es eindeutig: er hat falsch und somit schlecht gehandelt.
Dagegen war und ist sich der Volontär seiner Sache ziemlich sicher und
wird durch den Gast zusätzlich bestätigt, dass er richtig und somit
gut gehandelt hat. Und objektiv lässt es sich wohl nie beantworten. Als Fazit lässt sich somit festhalten, dass ein guter Mensch auf jeden Fall seinem Gewissen verpflichtet ist und so weit wie möglich so handelt, dass er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Dabei schaut er in erster Linie nicht darauf, was für ihn dabei herausspringen kann, sondern dass der Nutzen für die Allgemeinheit größer ist als ein möglicher Schaden. Der gute Mensch ist im Glauben verwurzelt Von Zeit zu Zeit lese ich gerne in alten Briefen. Und dabei stelle ich immer
wieder fest, dass Briefe von bestimmten Leuten noch immer aussagekräftig
sind und den gleichen Wert haben wie früher, wohingegen ein Großteil
der Briefe zu leeren Worten verkommen ist. Woran liegt das, dass manche Leute
mit jedem Buchstaben etwas Wertvolles aussagen, während andere viel schreiben
können, ohne ihren Worten große Bedeutung beizumessen? Bei genauerem
Hinsehen und Überlegen, von wem die bedeutungsvollen und wertvollen Briefe
kamen, zeigte es sich, dass es sich durchweg um Leute handelte, die sich kritisch
mit religiösen Aussagen auseinandersetzten oder tatsächlich in ihrem
Glauben verwurzelt waren. 3. Problem: Ist es mir möglich, willentlich gut zusein? Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass es jedem Menschen möglich
ist, gut zu sein. Egal wie sich ein Mensch im Moment gibt, hat er die Möglichkeit,
sich für das Gute oder das Böse zu entscheiden. Im Kern jedes Menschen
ist das Gute angelegt, es muss nur gepflegt und herangezogen werden. Wird es
nicht gepflegt und gefördert, verkommt es und gibt dem Bösen Raum.
Alleine aus sich heraus schafft es der Mensch jedoch nicht gut zu sein. "Dann werden die, die Gottes willen getan haben, fragen
Herr, wann sahen wir dich jemals hungrig und gaben dir zu essen? Oder
durstig und gaben dir zu trinken? Wann kamst du als Fremder zu uns, und wir
nahmen dich auf, oder nackt, und wir gaben dir Kleider? Wann warst du krank,
und wir sorgten für dich, oder im Gefängnis, und wir besuchten dich?'
Dann wird der König antworten: Ich will es euch sagen: was ihr für
einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan.'"
Weniger beeindruckend aber für mich lehrreicher, da ich es selbst erlebte, ist folgendes: Von einer Brieffreundin erhielt ich einmal folgende Zeilen: " ... Ich muss dir übrigens noch ein ganz großes Kompliment machen: Du kannst ganz arg tolle Briefe schreiben und findest die richtigen Worte. ..." Dadurch angespornt erwuchs in mir der Ergeiz, immer tolle Briefe schreiben zu müssen. Doch stellte ich bald fest, dass die Briefe statt besser immer nichtssagender und verkopfter wurden. Ich habe den Versuch wieder aufgegeben, immer gute Briefe schreiben zu wollen. Da es einem Menschen also nicht gelingen kann, in einer bestimmten Situation
gezielt gut zu sein, muss er sich viel mit dem Guten beschäftigen, um seine
Grundhaltung zum Guten zu beeinflussen. Dann wird er aufgrund seiner positiven
Grundhaltung in einer bestimmten Situation auch gut handeln. (Dasselbe gilt
leider auch für das schlechte Handeln.) Zusammenfassung Was gut ist und was man tun muss, um letztlich ein guter Mensch zu sein, kann
einem niemand bis ins letzte Detail sagen. Ein guter Mensch ist offen und in
seinen Handlungen ehrlich. Dabei ist er alleine auf sein Gewissen und seinen
Glauben angewiesen, wobei das Gewissen vom Glauben beeinflusst wird. Des weiteren
wird das Gewissen durch auch noch durch andere Umwelteinflüsse mitgeprägt. Bernd Herwanger (bh) 2001, auf www.yetnet.ch/dergutemensch |