Ein besonderer Tag

von Djinn-Dorian von der Mühlestetten

Ich laufe an der Leine neben dem Jorge und einer Frau.
Die Frau heisst „Bikit“ oder ähnliches. Egal, ich kann den Namen sowieso nicht aussprechen. Warum legen sich die Menschen so komplizierte Namen an? Wenn sie nur Wau oder Grr oder Wuff heissen würden....

Ich weiss nicht, was wir heute machen werden, aber es sieht trotz dem Nebel nicht schlecht aus. In einer Tasche vom Jorge rieche ich Cervelats, in der anderen meinen Kong. Wir würden sicher nicht zum Tierarzt mit dem Kong gehen, oder?

Jetzt halten wir an. Vor mir stehen zwei Fähnlis, der Jorge hat mein braunes Geschirr herausgeholt und ist dabei, die Knoten an der langen Leine zu lösen. Das kenne ich, eine Fährte! Warum ist er so nervös? Endlich ist er soweit und bringt mich zum linken Fähnli, obwohl meine Nase sagt, dass der Abgang fast beim Rechten ist. Ganz wie Sie wünschen, „Meischter“! Ich schmecke ein wenig pro forma herum und laufe dann zum Abgang, jetzt geht es los..

Nach einiger Zeit ist mir langweilig und ich versuche einen Trick beim Jorge. Ich laufe etwas links, hebe den Kopf, weiter links...Oops! Er hat es gemerkt und bleibt stehen. OK, ich gehe zur Fährte zurück.

Vor uns steht der erste Gegenstand. Ich habe es schon gemerkt aber der Jorge konnte ihn wegen dem Nebel noch nicht sehen. Jetzt hat er ihn gesehen, ich rieche seine Freude. Aber die Freude ist wieder weg! Was ist?... Aha, ein Reh! Gerade 30m hinter dem Gegenstand! Der Jorge ist stehengeblieben und schimpft leise. Das Reh springt abwärts ins Tal und beobachtet uns aus der Ferne. Ich schaue es an und tue „Sehr Interessiert“. Wie der Jorge liidet! He-he! Aber ich bin kein Sadist und habe meinen Spass gehabt. Ich gehe zum Gegenstand und berieche ihn. Der Jorge kommt gerannt, hebt ihn und zeigt ihn mir. Ja, schon gut, ich habe ihn schon gesehen!.. Streicheln und Cervelat, das habe ich gern!
Wir müssen jetzt rechts über einen Acker. Zum Glück am Rande entlang, denn es ist gesät! Stell dir vor, es kämen noch die Bauern mit den Flinten. Rechts von uns höre ich Gebell. Was ist los? Ein schwarzer Labrador spielt mit seinem Mensch. Wollen auch wir jetzt spielen? Warum sie und nicht wir? Der Jorge sagt, wir Anfänger müssen weiter. Ich aber habe langsam ein wenig genug.. Da, da vorne ist der zweite Gegenstand. Jetzt bin ich sogar ein „Champion“. Ich mag ein Champion sein, doch fertig sind wir immer noch nicht.

Oh-oh! Jetzt muss ich über die Betonstrasse! Diese Fährte wurde sicher vom Teufel selbst gelaufen. Ich überquere die Strasse senkrecht... Juhuiii!! Die Spur ist auch da!! Ich gehe vorwärts und dann ein bisschen nach links. Ich schmecke, dass es geradeaus zwischen den Bäumen geht, aber ich kann nicht mehr. Ich lege mich jetzt hin und basta. Der Jorge ist hinter mir stehengeblieben. Er sagt, ich habe genug getan, ich sei suuuper, ich sei soo braaav! Freut mich, dass er es endlich kapiert, vielleicht spielen wir jetzt und gehen dann heim...

Aber nein! Im gleichen heuchlerisch-freundlichen Ton sagt er jetzt: „Djinn, suuuch!“. Also! Gehen wir zu den Bäumen hin!

Ich merke, dass der Jorge sehr gespannt ist. Ich gehe extra langsam jetzt. Und dann plötzlich, es schmeckt eigenartig... Da, gerade vor mir! Wenn ich an den Stellen scharre, wo es derart riecht, da sagt der Jorge „Brav!“. Vielleicht spendiert er dafür heute sogar einen Cervelat! Also: Scharren! Es kommt eine Menge Erde und ein Stück Metall heraus.

Der Jorge sagt aber nicht „Brav“ und ich höre das Knirschen vom Cervelat-Säckli auch nicht... Ich schaue hinauf für weitere Instruktionen. Aber er liegt am Boden! Ohnmächtig!! Ich schlecke ihn schnell wieder wach. Und da fängt er an zu spinnen! Er hat Tränen in den Augen, er umarmt mich, er macht Purzelbäume! Hilfe! Werde ich bald umständehalber umplaziert??

Jetzt endlich kommen Cervelats heraus. Wie er strahlt! Nun habe ich wieder Lust zum Schaffen! Ich folge der Fährte über ein Hügeli weiter und da unten, da sehen wir einen Steck mit unserer Nummer, die 6. Dort nimmt mir der Jorge das Geschirr ab, holt den Kong aus der Tasche und wir spielen.

Da kommt ein Auto mit zwei Männer. Einen davon kenne ich, der lächelt nie. Der andere ist mir unbekannt. Der Jorge gibt dem Unbekannten die Gegenstände und dann schaut gespannt auf die Uhr. Sie geben sich die Hand. Mir scheint, als ob der Mann, der nie lächelt, jetzt doch lächelt. Der Jorge kommt zu mir, streckt mir die rechte Hand hin und wir rennen zurück zu den anderen. Ich hänge an seinem Ärmel.

  

Djinn der Fährtenhund
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