Djinn der "Bloodhound"

von Djinn-Dorian von der Mühlestetten


Die Wetterbedingungen sind ideal und wir hatten für den Test etwa 8 Monate trainiert. Wir wurden an einen Landweg zwischen Wald und Wiese geführt. Jorge bereitete mich mit Geschirr und Leine vor. Mit uns sind: der Richter, die Trainerin, eine Hilfsperson mit der Karte und ein eingeladener Instruktor. Diese Personen werden uns dann in etwa 20 Meter Abstand folgen.

Gerade hinter uns sind mehrere Schweine hinter einem Zaun. Das ist sicher nicht die Startrichtung, he-he! Nicht, dass mir Schweinegeruch stört, ich bin (zum Glück) kein Mensch. Aber das glauben warscheinlich "die". Was lachen die dummen Schweine? Mein Geschirr ist ganz elegant!

Jorge bekommt vom Richter einen verschlossenen Plastikbeutel, der einen Gegenstand enthält, welcher vorher im Kontakt mit dem Fährtenleger gewesen ist (ein Stück Gaze).

Er stülpt den Sack für einen Augenblick über meine Nase - ich merke darin Mensch, Tabak und Rasierwasser. Pfui! - und gib mir das Kommando "Such". Ich kreisele kurz, so macht man das um das Publikum zu beindrücken, signalisiere dann, ich habe den Geruch gefunden und starte auf dem Weg am Waldrand entlang.

Rechts und links schmeckt nach Konkurrenz. Wieviele Rüden haben schon da markiert? Oh-oh! Ist das nicht mein Nachbar der blöde Jasso gewesen? Mmmhh! Den mag ich nicht. Aus lauter "Jasso" bin ich vom Geruch weg. Das haben die hinter mir gemerkt und der Jorge folgt nicht. Ich komme im schnellem Schritt mit einem verlegenem Lächeln zurück.

Der Jorge lässt mich "Sitz" machen und streichelt mich. ER braucht Beruhigung! Ich weiss doch wo der Geruch ist, ich war nur ein Bisschen zerstreut... Wir gehen wieder los. Wo der Weg nach links führt und sich vom Waldrand trennt bleibe ich weiter geradeaus.

Der Geruch is jetzt im Wald rechts. Ich untersuche ihn, merke aber , dass es nicht weiter geht. So nach einigen Meter führe ich die Gesellschaft wieder heraus und gehe weiter den Weg entlang. Jetzt wären Witze fehl am Platz, nach der Blamierung fühle ich ihre Augen im Nacken.

Wir laufen weiter und dann glube ich, es geht wieder in den Wald. Ja, hier ist stärker! Aber auch rechts und links ist es so...Ein Geruchspool!! Das muss ich selber absolvieren.Ich kreise um die jungen Bäumen, der Jorge mach die Leine kürzer, wahscheinlich zerkratzt er sein pelzarmes Gesicht. Hi-hi, er rasiert jeden Morgen!

Jetzt geht der Geruch vorwärts. Ich fahre mit einigen Tempo los. Wir überqueren den Wald bis zu einer Strasse. Ich höre die schnelle Schritte irgendwo weit hinter uns und dachte, sie folgen uns, das wird den Jorge sicher beruhigen. Schande über ihm, sein Glauben ist schwach! ICH habe die Nase!

Kreuzungen sind mit Vorsicht zu nehmen und dort nehme ich mir Zeit. Der Jorge bleibt am ersten Strassenrand stehen und gibt mir Leine. Es fuhren einige Velos vorbei aber kein Auto. Ich untersuche schnüffelnd die andere Seite der Strasse wieder im Wald aber da ist nichts. Rechts oder links? Ich kreise vorsichthalber aber es ist klar nach links. Also, vamos! Hinter der Kurve steht eine Person gegen einen Baum gelehnt, es es ist der Albert, ich wusste es!

Er tut als ob er mich nicht kennt. Ja, ja, machen wir Theater... "Grüezi Herr Unbekannter, ich bin am Mantrailen, darf ich Sie beschnuppern?" Keine reaktion.

Hinter mir höre ich ein Herz klopfen. Rät mal wer das sein kann...Wiklich schwacher Glauben... So, machen wir endlich fertig. Ich beschnuppere Albert... nicht mal DAS merkt er?

In der Tasche hat er ein Cervelat! Hopp Djinn, ich mache "Sitz", so kriegt man das!!

Und da springt mir der "Meischter" von hinten an, betäubt mich mit "Bravo"-Rufen, bricht mir die Knochen mit seiner Umarmung und benetzt mich mit seinen Freudetränen.

Und die Cervelat kommt endlich heraus.



Am 10. Oktober 1999 bestand Djinn-Dorian von der Mühlestetten den Mantrailing Instinct Test. Das ist eine Vorprüfung bei der getestet wird, ob der Hund und sein Führer fähig sind, an einer Mantrailing Prüfung erfolgreich teilzunehmen.

Die Prüfungen wurden von der National Bloodhound Association of Switzerland organisiert und erfolgten nach drei Tagen Spezialtraining und einem öffentlichen Seminar mit Richter und Instruktoren aus den USA. Djinn's Fährte war etwa 500m lang und 1,5 Stunden alt. Er starteten um 11:00 und verbrauchte 30 von den erlaubten 60 Minuten.



Was ist Mantrailing?

Mantrailing ist eine Disziplin, in welcher der Hund einer menschlichen Fährte nach dem Individualgeruch folgt, am Ende die gesuchte Person findet und diese eindeutig identifiziert.

Einige Unterschiede zum Fährtenhund:

Nach PO97 folgt der Fährtenhund den Bodenverletzungen Schritt auf Schritt, wobei Fährtentreue und Nase am Boden wichtig sind.

Nach PO88 folgt er einem "Geruchsbild" , das unter anderem aus den Bodenverletzungen und dem Individualgeruch des Fährtenlegers besteht.

In beiden Disziplinen wird nach Gegenständen gesucht.

Der Mantrailer folgt der Fährte nach dem Individualgeruch des Fährtenlegers. Er soll alle andere Gerüche ausschliessen. Der Hund sucht auf der Wiese, in der Stadt, im Wald, über Strassen oder durch Unterführungen oder überquert sogar Wasser. Die Strenge einer Prüfung ist vom Trainingszustand, Nase und Talent des Hundes abhängig.

In dieser Disziplin wird nach einer bestimmten Person gesucht. In den ersten Ausbildungsstufen steht am Ende der Fährte eine einzige Person, welche der Hund eindeutig anzeigen muss. Die höheren Prüfungen verlangen die Identifikation einer Person aus einer Gruppe.

Zum Starten wird der Hund an einem Ort gebracht, "wo die Person das letzte Mal gesehen wurde", kein genauer Startpunkt. Er bekommt einen Geruchsgegenstand zu riechen und sucht herum (kreiselt) bis er die "Trail" oder Geruchsfährte findet und zu folgen beginnt. Der Hund braucht nicht, der Originalfährte exakt zu folgen, und darf auch Abkürzungen benutzen. Einsatzhunde müssen sogar erkennen, wenn der gesuchte Geruch "nicht da ist" und dies dem Hundeführer anzeigen (Negative Trail), zum Beispiel wenn die gesuchte Person gar nicht dort war. Der Spezialist in dieser Disziplin ist der Bloodhound.

Die Prüfungen sind auf Mantrailer (MT), Mantrailer Intermediate (MTI) und Mantrailer Excellent (MTX). Die erste Prüfung setzt das Bestehen der ICT-Prüfung voraus.

Genauere Information darüber und über Mantrailing allgemein kann man einsehen in der Website der NBAS (National Bloodhound Association of Switzerland)


  

 



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